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<title>Nuto Revelli</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Nuto Revelli</span></h1>
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<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p><b>Benvenuto „Nuto“ Revelli</b> (* <a href="21._Juli" title="21. Juli">21. Juli</a> <a href="1919" title="1919">1919</a> in <a href="Cuneo" title="Cuneo">Cuneo</a>; † <a href="5._Februar" title="5. Februar">5. Februar</a> <a href="2004" title="2004">2004</a> in Cuneo) war ein <a href="Italien" title="Italien">italienischer</a> <a href="Partisan" title="Partisan">Partisan</a> in der <a href="Resistenza" title="Resistenza">Resistenza</a> des <a href="Piemont" title="Piemont">Piemont</a>, nachdem er bis 1943 Anhänger der <a href="Nationale_Faschistische_Partei" class="mw-redirect" title="Nationale Faschistische Partei">Faschisten</a> und Teilnehmer am <a href="Deutsch-Sowjetischer_Krieg" title="Deutsch-Sowjetischer Krieg">Russlandfeldzug</a> gewesen war. Später wurde er <a href="Schriftsteller" title="Schriftsteller">Schriftsteller</a> und <a href="Historiker" title="Historiker">Historiker</a>, der zahlreiche Berichte von <a href="Zeitzeuge" title="Zeitzeuge">Zeitzeugen</a> der beiden Weltkriegs sowie der Nachkriegszeit publizierte, dann umfangreiche Befragungen von Männern und Frauen aus den <a href="Marginalisierung" title="Marginalisierung">marginalisierten</a> Hochgebirgstälern der Alpen. Damit schuf er eine umfangreiche Sammlung von Quellen aus dem Blickwinkel der Armen und Marginalisierten der Alpentäler westlich seiner Heimatstadt.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Leben_und_Werk">Leben und Werk</h2></div>
<p>Revelli schlug beruflich zunächst den Weg eines Landvermessers ein, doch trat er im Alter von 20 Jahren der Militärakademie in <a href="Modena" title="Modena">Modena</a> bei, die er zwei Jahre später im Rang eines <i>sottotenente</i>, vergleichbar einem <a href="Unterleutnant" title="Unterleutnant">Unterleutnant</a>, abschloss.
</p><p>1942 meldete er sich als Freiwilliger für den Russlandfeldzug und kam in das <a href="Bataillon" title="Bataillon">Bataillon</a> des <i>5º Reggimento Alpini</i>. Am 19. September 1942 wurde er am Arm verletzt, wurde später zum <a href="Leutnant" title="Leutnant">Leutnant</a> befördert. Nach der Genesung ging er von <a href="Dnipro" title="Dnipro">Dnepropetrovsk</a> an den Don. Vom 16. Januar bis zum 4. Februar 1943 nahm er am <a href="ARMIR" class="mw-redirect" title="ARMIR">verlustreichen Rückzug</a> aus <a href="Russland" title="Russland">Russland</a> an der Schlacht von Nikolajewka teil. Im März 1943 kehrte er mit einer <a href="Pleuritis" title="Pleuritis">Rippenfellentzündung</a> nach Italien zurück.
</p><p>Am 26. Juli wurde in Cuneo der Faschismus gestürzt, wie es in ganz Italien geschah, doch am 8. September übernahmen in seiner Heimatstadt die deutschen Faschisten die Macht. Revelli war entschlossen, dagegen Widerstand zu leisten, glaubte aber nicht an die Möglichkeit, dies aus den Bergen heraus zu tun. Schließlich kam es zu Kontakten zur Banda Italia Libera, der er am 7. Februar 1944 beitrat. Revelli erhielt das Kommando über die <i>IV Banda</i>, die zunächst im Vallone dell’Arma oberhalb von <a href="Demonte" title="Demonte">Demonte</a> operierte. Sie überstand die Aktion Tübingen der deutschen Besatzer (20.–29. April 1944) ohne Verluste.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Doch verlagerte sie ihren Schwerpunkt ins Valle Vermenagna. Dort wurde Revelli im August zum Kommandanten der <i>Brigata Valle Stura „Carlo Rosselli“</i>, die sich den deutschen Einheiten auf dem Weg zum <a href="Col_de_Larche" title="Col de Larche">Colle della Maddalena</a> entgegenstellte und mit den französischen Alliierten Kontakt aufnahm. Am 2. Oktober wurde Revelli im Gesicht schwer verletzt, woraufhin er mehrfach in <a href="Nizza" title="Nizza">Nizza</a> und <a href="Paris" title="Paris">Paris</a> operiert werden musste. Am 26. April 1945 kehrte er über das <a href="Valle_Maira" title="Valle Maira">Mairatal</a> nach Italien zurück und beteiligte sich an der Befreiung von Cuneo.
</p><p>Mitte der 1940er Jahre heiratete er Anna Delfino, mit der er den Sohn Marco bekam, einen späteren Soziologen und Historiker. Er verließ die Armee im Grad eines <a href="Major" title="Major">Majors</a>. Während er mit Eisenwaren handelte, unterhielt er Kontakte mit ehemaligen Alpinisten, Partisanen und mit Landleuten, deren Zeugenaussagen er zu sammeln begann. Er war der Überzeugung, dass man ohne Freiheit nur vegetiere, doch die Voraussetzungen für Freiheit waren nach seiner Auffassung Wissen, Verstehen, Lernen.
</p><p>Revellis erste Publikationen, die allesamt bei <a href="Einaudi" title="Einaudi">Einaudi</a> erschienen, befassten sich mit seinen Erfahrungen an der russischen Front und seiner Zeit in der Resistenza.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Sein zweiter thematischer Schwerpunkt war die prekäre Situation der <i>Contadini</i>, der Landbevölkerung in den Tälern um Cuneo, mit ihrer Massenabwanderung in die städtischen Industriezentren. Diesen Themenkreis bereitete er in Form ausführlicher Befragungen auf, so dass er zugleich als Pionier der <a href="Oral_History" title="Oral History">Oral History</a> gilt. Mit <i>Il mondo dei vinti</i> (Die Welt der Besiegten) und <i>L'anello forte</i> (worin er analog zu den Männern diesmal Frauen befragte), mit ihren 270 <a href="Stenographie" class="mw-redirect" title="Stenographie">stenographierten</a> und später mit der Schreibmaschine niedergeschriebenen Interviews, gab Revelli diesen Marginalisierten einer kaum wahrgenommenen Welt eine Stimme.
</p><p>Mit <i>Il disperso di Marburg</i> (das auch auf Deutsch erschien), <i>Il prete giusto</i> und <i>Le due guerre</i> kehrte er zu seinen früheren Themenkreisen zurück.
</p><p>An der <a href="Universit%C3%A4t_Turin" title="Universität Turin">Universität Turin</a> hielt er 1984–1985 einen Vorlesungszyklus, der eine Reihe von Historikern und Intellektuellen beeinflusste. Nach langer Krankheit starb Revelli am 5. Februar 2004 und wurde in Spinetta, einer Fraktion von Cuneo, neben seiner Frau beigesetzt.
</p><p>2006 gründeten Erben und Freunde die Fondazione „Nuto Revelli“ onlus mit Sitz Revellis Wohnhaus in Cuneo.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Ehrungen">Ehrungen</h2></div>
<ul><li>1986 erhielt Revelli den <a href="Premio_Grinzane_Cavour" title="Premio Grinzane Cavour">Premio Grinzane Cavour</a>, 1999 wurde er zum Ehrendoktor der <a href="Universit%C3%A4t_Turin" title="Universität Turin">Universität Turin</a>. Auch erhielt er Auszeichnungen für seine Kriegsleistungen und seine Leistungen im Widerstand sowie für sein Eintreten für die Belange der Freiheit (Distintivo d’onore per i patrioti «Volontari della libertà»).</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Werke_(Auswahl)"><span id="Werke_.28Auswahl.29"></span>Werke (Auswahl)</h2></div>
<ul><li><i>Mai tardi. Diario di un alpino in Russia</i>, Panfili, Cuneo 1946; Einaudi, Turin 1967.</li>
<li><i>La guerra dei poveri</i>, <a href="Einaudi" title="Einaudi">Einaudi</a>, Turin 1962.</li>
<li><i>La strada del Davai</i>, Einaudi, Turin 1966.</li>
<li><i>L’ultimo fronte. Lettere di soldati caduti o dispersi nella seconda guerra mondiale</i>, Einaudi, Turin 1971.</li>
<li><i>Il mondo dei vinti. Testimonianze di vita contadina</i>, Einaudi, Turin 1977.</li>
<li><i>L’anello forte. La donna. Storie di vita contadina</i>, Einaudi, Turin 1985.</li>
<li><i>Il disperso di Marburg</i>, Einaudi, 1994
<ul><li><i>Der verschollene Deutsche: Tagebuch einer Spurensuche</i>, übersetzt von <a href="Friederike_Hausmann" title="Friederike Hausmann">Friederike Hausmann</a>, <a href="C.H._Beck" class="mw-redirect" title="C.H. Beck">C.H. Beck</a>, München 1996.</li></ul></li>
<li><i>Il prete giusto</i>, Einaudi, Turin 1998 (im Mittelpunkt steht Raimondo Viale (1907–1984) und seine Hilfe für die aus Frankreich geflohenen Juden).</li>
<li><i>Le due guerre. Guerra fascista e guerra partigiana</i>, Einaudi, Turin 2003.</li>
<li><i>Il popolo che manca</i>, Einaudi, Turin 2013.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li><i>Il presente e la Storia</i>, Band 55 (Juni 1999), Revelli gewidmete Ausgabe</li>
<li><a href="Bodo_Guthm%C3%BCller" title="Bodo Guthmüller">Bodo Guthmüller</a>: <i>Nuto Revelli und die Geschichte vom „guten Deutschen“.</i> In: <i>Text, Interpretation, Vergleich. Festschrift für Manfred Lentzen zum 65. Geburtstag.</i> Schmidt, Berlin 2005, ISBN 978-3-503-07940-7, S. 266–277.</li>
<li>Gianluca Cinelli: <i>Nuto Revelli: La scrittura e l’impegno civile dalla testimonianza della Seconda Guerra Mondiale alla critica dell’Italia repubblicana</i>, Aragno, Turin 2011.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<ul><li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://nutorevelli.org">Fondazione „Nuto Revelli“</a></li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://nutorevelli.org/biografia/">Biographie</a> auf der Seite der Stiftung</li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.anpi.it/biografia/benvenuto-nuto-revelli"><i>Benvenuto (Nuto) Revelli</i></a>, Associazione Nazionale Partigiani d’Italia</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Anmerkungen">Anmerkungen</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">P. Servetti: <i>L’operazione Tübingen e la battaglia del Viridìo</i>, in: Il presente e la Storia 84 (2013), S. 277ff.</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text"><i>Mai tardi, diario di un alpino in Russia</i> handelte von seinem eigenen Leben, <i>La guerra dei poveri</i> und <i>L’ultimo fronte, lettere di soldati caduti o dispersi nelle II guerra mondiale</i> sowie <i>La strada del Davai</i> war eher eine Anklageschrift gegen die politische und militärische Führung.</span>
</li>
</ol>
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Normdaten (Person): <a href="Gemeinsame_Normdatei" title="Gemeinsame Normdatei">GND</a>: <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://d-nb.info/gnd/119509296">119509296</a></span> | <a href="Library_of_Congress_Control_Number" title="Library of Congress Control Number">LCCN</a>: <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://id.loc.gov/authorities/n79039746">n79039746</a></span> | <a href="Virtual_International_Authority_File" title="Virtual International Authority File">VIAF</a>: <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://viaf.org/viaf/79034117/">79034117</a></span> | </div>
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